Christen im Dienst an Kranken e.V.
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Die Charismatische Bewegung aus biblischer Sicht

Nach Augenzeugenberichten ging es in den Versammlungen bald tumultartig zu: Gesänge, Sündenbekenntnisse, Bußreden mengten sich mit unartikuliertem Stammeln, Schreien, Stöhnen, Seufzen, Weinen, lautem Händeklatschen und Wiehern.

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Vortrag beim Mediziner-Kongress, Oktober 2003
Dr. med. Ottfried Windecker, Mössingen

 

Die heutige charismatische Bewegung ist eine vielschichtige Erscheinung und wird in christlichen Kreisen sehr unterschiedlich bewertet. Ohne Zweifel kommen in ihr Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und empfangen geistliche Impulse für ihr Glaubensleben. Doch trotz aller positiven Aspekte ist es dringend erforderlich, die charismatische Bewegung kritisch zu hinterfragen.

Um die charismatische Bewegung prüfen zu können, wollen wir zuerst an hand von Augenzeugenberichten sowie Erkenntnissen überwiegend aus der Insider-Literatur nach den Wurzeln graben sowie des weiteren die grundsätzlichen Lehren der charismatischen Bewegung (Geistesgaben, Geistestaufe und Zungenreden, Glaubensheilungen) eingebunden in die geschichtliche Entwicklung betrachten. Dabei ist es nicht mein Anliegen, Ihnen eine theologische Abhandlung darzulegen, sondern ich will im Rahmen der geschichtlichen Auseinandersetzung die Ereignisse biblisch hinterfragen. So sollen vier Grundsatzfragen uns auf unserem historischen Exkurs begleiten:

 

  1. Gibt es ein biblisches Beispiel, aus dem wir ersehen können, dass Gott grundlegende geistliche Erneuerungen in seiner Gemeinde durch junge Frauen bewirkt?
  2. Finden wir hinsichtlich der konkreten Geistausgießung in den Pfingstgemeinden tatsächlich eine Parallele in der Apostelgeschichte?
  3. Hat sich das in charismatischen Kreisen praktizierte Zungenreden mit all seinen Emotionen in der Urgemeinde wirklich so zugetragen?
  4. Kann der Mensch über den Heiligen Geist verfügen und sich Geistesgaben erzwingen?


Bereits im 18. und 19. Jahrhundert fanden im englischen Sprachraum zwei große Heiligungs- oder Erweckungsbewegungen statt. Unter den Gläubigen machte sich ein starkes Verlangen nach zusätzlichen Geisterfahrungen breit, die im Anschluss an die Bekehrung das Leben bereichern sollten. Man nannte sie „Herzensreinigung“, „Versiegelung“, Ausrüstung mit Kraft“ oder „Geistestaufe“. Gewisse Kreise sahen die Taufe mit dem Heiligen Geist als zweiten Segen im Sinne einer „völligen Heiligung“, die der Wiedergeburt zu folgen habe.

So berichtet der amerikanische Erweckungsprediger Charles Finney von einer besonderen Erfahrung in seinem Leben, die er als Kraft-Taufe bezeichnete. Sein Freund Asa Mahan gab diesem Erlebnis den Namen Geistestaufe, und der Evangelist Reuben Torrey definierte dann die Geistestaufe als eine besondere Erfahrung, die nach der Bekehrung gemacht werden kann und die mit Kraft aus der Höhe und mit Geistesgaben für den Dienst ausrüstet. Dieses Verständnis Torreys haben viele Heiligungslehrer übernommen, fügten jedoch noch hinzu, dass das Zeichen für den Empfang der Geistestaufe das Zungenreden ist.

Parallel zur Erweckungsbewegung begannen die afroamerikanischen Sklaven im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts massenhaft den christlichen Glauben anzunehmen und sich zunächst vornehmlich in baptistischen und methodistischen Kirchen zu integrieren. Später versammelten sie sich zunehmend in selbständigen Glaubensgemeinschaften von Schwarzen, wie vor allem der African Methodist Episcopal Church. In ihnen entwickelten sie eine Form religiöser Glaubensausübung, die ihrem Wesen entsprach. Auf die alten Götter mussten sie zwar verzichten aber der neue Gottesdienst bewahrte ebenfalls die Ekstase als wichtigstes Element. Nicht Auslegung und Verständnis des Textes war sein höchstes Ziel, sondern vom Glauben besessen zu sein, „to get religion“, Gott zu schauen, Gesichte zu haben, Gott aus sich selbst sprechen zu lassen, in Zungen zu reden. Diesen Zustand erlangten sie mit altbewährten Mitteln. So war die Predigt eine unaufhörliche Folge von Ruf und Antwort zwischen Prediger und Gemeinde. Die ständige Wiederholung sorgte für Erregung. Da Trommeln untersagt waren, erzeugte man Rhythmus durch Füßestampfen und Händeklatschen. So entstanden um 1900 überall im Land Tausende von kleinen Gemeinden, und wo die Menschen arm und unterdrückt waren, auch unter der weißen Bevölkerung. Die meisten bezeichneten sich als Pfingstgemeinden oder Heiligungsgemeinden. Die Anhänger dieser Gruppierungen, bei deren Gottesdiensten Gesang und Tanz eine große Rolle spielten, strebten, angefeuert von ihren wild agierenden Predigern, den „Holy Rollers“, nach kollektiver Ekstase. Die „Ausgießung des Heiligen Geistes“ äußerte sich dabei in unartikulierten Schreien, dem „Sprechen in Zungen“ und in tranceähnlichen Zuständen.

Auch aus Schottland wird bereits 1830 über „Pfingsterlebnisse“ berichtet. Am 21. März dieses Jahres lag ein frommes Mädchen namens Mary Campbell in Fernicarry, Schottland, auf dem Sterbebett. Plötzlich richtete sie sich auf, verließ das Bett und begann melodisch in einer unbekannten Sprache zu reden und prophetisch zu sprechen. Nach einer Viertelstunde kehrte sie in ihrer ursprünglichen Schwäche zum Bett zurück. Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich, und nicht lange danach geschahen ähnliche Dinge im Hause der MacDonalds in Port Glasgow, ein paar Meilen entfernt. Margaret MacDonald, die auch im Sterben lag, wurde auf Geheiß ihres Bruders James, geheilt. Noch am gleichen Tag schrieb James einen Brief an Mary Campbell, in dem er sie ermutigte, ebenfalls „aufzustehen und zu wandeln“. Als Mary diesen Brief las, stand sie gesund von ihrem Bett auf.

Die Nachricht von diesen Ereignissen rief in Schottland großes Interesse hervor. Männer aus London, die lange um die Ausgießung des Heiligen Geistes gebetet hatten, schickten einige aus ihrem Kreis nach Schottland, um Untersuchungen anzustellen. Sie kehrten zurück mit der Überzeugung, dass das, was sie gehört und gesehen hatten, echtes Wirken des Heiligen Geistes war und sie begannen für die Wiedererweckung der Geistesgaben zu beten. Ungefähr nach einem Jahr redete dann die Frau des anglikanischen Rechtsanwalts John Cardale in Zungen. Im Laufe des Jahres bekamen auch noch andere Leute aus verschiedenen Konfessionen die Gabe des Sprachenredens und der Prophetie und es entstanden bis ins späte 19. Jahrhundert gemeinschaftsähnliche Hauskreise.

Schon kurz vor diesen Ereignissen waren in Süddeutschland ebenfalls das Zungenreden und die Prophetie in einer römisch-katholischen Gemeinde in Erfahrung gebracht worden.

Ende des 19. Jahrhunderts schrieb die italienische Ordensschwester Elena Guerra mehrmals an Papst Leo XIII und fordert ihn auf, die Kirche durch eine neue Hinwendung zum Heiligen Geist (nicht zu Christus!!!) zu erneuern. Am 1. Januar 1901 rief der Papst dann mit dem bekannten Hymnus „Veni Creator Spiritus“ den Heiligen Geist im Namen der ganzen Kirche auf das beginnende 20. Jahrhundert herab.

Genau an diesem Tag erlebte die 18jährige protestantische Bibelschülerin Agnes Ozman in Topeka, USA, die „Taufe im Heiligen Geist“ und redete in anderen Zungen. Charles Fox Parham, ein ehemaliger Methodistenprediger aus Kansas, hatte im Jahre 1898 ein „Heilungsheim“ in Topeka eröffnet, wo Studenten einer kleinen Bibelschul-Gemeinschaft die Bibel studieren konnten. Das Resultat eines intensiven Schriftstudiums über den Empfang des Heiligen Geistes zeigte sich nun bei dieser Schülerin. Vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche baten die jungen Leute Gott um die Taufe im Heiligen Geist. Das war genau das, was Elena Guerra gewollt hatte. Am Ende des 1. Januar 1901 um etwa 23 Uhr bat die Schülerin Agnes Ozman Pastor Parham, seine Hände auf ihren Kopf zu legen und um den Heiligen Geist zu beten.

Auf diese Erfahrung gründete Parham seine Behauptung, die Zungenrede sei das biblische Zeichen der empfangenen Geistestaufe. Von 1901 bis 1905 verkündeten Parham und seine Anhänger, die sich „Apostolic Faith“ nannten, die Pfingstbotschaft im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. 1905 verlegte er seine Bibelschule nach Houston/Texas, wo es zu gleichen charismatischen Äußerungen kam. Dort schloss sich ein schwarzer Prediger der Heiligungsbewegung aus den Südstaaten, William Seymour, der Bibelschule an. Er nahm Parhams Hauptlehren an, die inzwischen 5 Punkte beinhaltete. Zur Rechtfertigung durch den Glauben, Heiligung als zusätzliches Werk der Gnade, göttliche Heilung als „im Sühnetod Christi enthalten“ und Wiederkunft Christi vor dem 1000jährigen Reich, kam die Taufe im Heiligen Geist mit dem „anfänglichen Zeichen“ der Zungenrede hinzu.

Im Jahre 1905 gab es in Los Angeles in den Methodisten- und Baptistenkirchen die stärksten Anzeichen für eine kommende „Erweckung“, besonders in zwei Gemeinden, der „Lake Avenue Methodist Church“ in Pasadena und der „First Baptist Church“ in Los Angeles, deren Pastor Frank Smale war. Die „Erweckung“ in Smales Gemeinde hatte begonnen, als Smale während seiner Rückkehr aus Palästina die Erweckung in Wales kennen gelernt hatte und zurückkam. - In den Jahren 1904 und 1905 fand eine große Erweckung in Wales (Großbritannien) statt, in der Evan Roberts die führende Rolle spielte. Ein Augenzeuge berichtete über diese Erweckung, dass es „nicht Evan Roberts’ Redegabe“ war, die die Menschen zusammenbrechen ließ, sondern seine Tränen. In einem wahren Gebetskampf fiel er auf seine Knie und flehte Gott an, er möge Beugung und Zerbruch schenken, während ihm die Tränen über die Wangen liefen und seine Gestalt vom Schluchzen geschüttelt wurde. Starke Männer brachen zusammen und weinten wie die Kinder, Frauen schrieen gellend. Lautes Weinen und Wehklagen erfüllte die Luft. In seinem intensiven Gebetskampf fiel Evan Roberts auf der Kanzel zu Boden, während viele seiner Zuhörer ohnmächtig wurden.

Den Gemeindeältesten war die Sache aber nicht so geheuer, sodass Smale mit den „geistlichsten Mitgliedern“ austrat und die First New Testament Church gründete.

Im Jahre 1906 erhielt der vorher erwähnte schwarze Prediger Seymour eine Einladung zum Predigtdienst in einer schwarzen Nazarener-Gemeinde in Los Angeles. Die „Pfingstkirche des Nazareners“ war 1895 gegründet worden, um die Heiligungslehre zu bewahren. Sie wurde rasch zur größten Heiligungskirche Amerikas.

Als Seymour seine erste Predigt hielt und darin die Lehre vom „Anfangszeichen“ der Geistestaufe verkündete, wurde er aus der Nazarenergemeinde ausgewiesen. Diese Lehre stellte für die damaligen Heiligungsgemeinden etwas absolut Neues dar. Sie besagt, dass niemand von sich behaupten kann, „im Heiligen Geist getauft zu sein“, wenn er das Anfangszeichen des Redens in anderen Zungen nicht erlebt hat. Die Lehre war Anstoß erregend, da praktisch alle Christen behaupteten, geistgetauft zu sein, die Evangelikalen bei ihrer Bekehrung und die Mitglieder der Heiligungsbewegung beim Empfang des „zweiten Segens“ oder der „völligen Heiligung“.

Der Lehrsatz von der Geistestaufe, die durch das Reden in anderen Zungen bestätigt wird, wurde zum Kernstück pfingstlicher Lehre. Die wachsende Zahl der „in Zungen redenden“ Anhänger unter Seymour versammelte sich dann in einem verlassenen alten Gebäude in der Azusa-Straße 312, in einem Armenviertel im Herzen von Los Angeles. Hier kannten die ekstatischen Ausbrüche zuweilen keine Grenzen. Die Los Angeles Times vom 18. April 1906 berichtet: „Seltsame Laute ausstoßend und mit einem Gestammel, das so könnte man meinen, kein vernünftig denkender Sterblicher versteht – so stellt sich die neueste religiöse Sekte in Los Angeles dar…Die Zuhörerschaft setzt sich aus Farbigen und einigen vereinzelten Weißen zusammen, und mit Schrecken denken die in der Umgebung Wohnenden an die Nacht, unerträglich geworden durch das Gebrüll der Gottesdienstbesucher, die Stunden damit zubringen, sich in nervenaufreibendem Gebet und Flehen wie in Ekstase hin und her zu bewegen. Sie behaupten die ‚Gabe der Zungen’ zu besitzen und das Durcheinander verstehen zu können…Eine der verrücktesten Zusammenkünfte fand gestern Abend statt, bei der die Versammelten, die bis kurz vor Mitternacht in der ‚Anbetung’ verharrten, die höchste Stufe der Schwärmerei erreichten. Der alte Redner drängte die ‚Schwestern’, die ‚Zungen hören zu lassen’, und die Frauen überließen sich einem wahren Sinnenrausch religiöser Verzückung.“

Die neue Bewegung erhielt starken Zulauf, nachdem San Francisco am 18. April 1906, wenige Tage nach dem Auftreten des ersten Zungenredens, durch ein Erdbeben zerstört wurde. Etwa dreieinhalb Jahre lang fanden täglich drei Versammlungen statt. Das Zungenreden war der Hauptanziehungspunkt, dicht gefolgt von Krankenheilungen. Auf die Gabe der Zungen folgte die Gabe der Auslegung, und mit der Zeit behaupteten Seymour und seine Anhänger, alle Gaben des Heiligen Geistes seien der Gemeinde wiedergeschenkt worden. Von der Azusa-Strasse aus breitete sich das „Pfingstfeuer“ bis nach Kanada aus.

Nach Europa kam die Pfingstbewegung durch den norwegischen Methodistenprediger Barratt. Er war zum Studium der Bewegung nach Los Angeles gereist und von ihr überwältigt worden. Barratt berichtete, wie er 39 Tage um die Gabe des Zungenredens gebetet habe. Nachdem er zuletzt 12 Stunden im Gebet angehalten hatte, spürte er eine Bewegung der Halsmuskeln. Dann wurden ihm die Hände aufgelegt und endlich konnte er unter den lauten Rufen von in Ekstase verfallener Schwarzer in Zungen reden. Er kam nach Norwegen zurück und begann Ende 1906 seine Pfingstversammlungen nach dem Muster von Los Angeles.

In Deutschland hatte die Gemeinschaftsbewegung schon lange um eine Erweckung gebetet. 1905 hatte Torrey auf der Blankenburger Konferenz zu völliger Hingabe aufgerufen und mit Hunderten von Teilnehmern um die „Erfüllung mit dem Geist“ gebetet. So stieß die Pfingstbewegung, als sie 1907 nach Deutschland kam, auf großes Interesse. In jenen Tagen machte der Leiter der Strandmission in Hamburg, Emil Meyer, einen Besuch bei Barratt und brachte zwei junge norwegische Zungenrednerinnen mit nach Hamburg und viele Zuhörer ließen sich davon anstecken.

Durch den Evangelisten Heinrich Dallmeyer kamen die beiden Norwegerinnen nach Kassel, wo die Bewegung einen regen Zustrom von Anhängern fand und sich von dort weit über Deutschland ausbreitete. Nach Augenzeugenberichten ging es in den Versammlungen bald tumultartig zu: Gesänge, Sündenbekenntnisse, Bußreden mengten sich mit unartikuliertem Stammeln, Schreien, Stöhnen, Seufzen, Weinen, lautem Händeklatschen und Wiehern. Man sah krampfhaft verzerrte wilde Mienen, die Gebärden Rasender, ferner Menschen, die halb ohnmächtig zu Boden sanken oder rücklings zu Boden geworfen wurden, die wild um sich schlugen, halb bewusstlos. Irgendjemand sprang auf und begann unverständliche Rufe auszustoßen, die vom Versammlungsleiter als Ausfluss überirdischer Erleuchtung bezeichnet wurden. Meist jüngere „Prophetinnen“ förderten schließlich eine Hauptbotschaft zutage: „Ein Pfingsten, ein mächtiges Pfingsten kommt!“ In immer wilderen Botschaften ließ der Zungengeist durch seine Prophetinnen bezeugen: „Fortmachen! Fortmachen!“ Der Tumult wurde in Kassel schließlich so groß, dass die Polizeibehörde einschreiten und die leitenden Brüder auffordern musste, die Versammlung zu schließen.

Im Anschluss an diese Ereignisse kam es zu schweren Auseinandersetzungen in den Gemeinden, die schließlich in den Jahren 1908 und 1909 zu einer Trennung zwischen der Pfingstbewegung und der Gemeinschaftsbewegung führten, wobei in der „Berliner Erklärung“ vor dem Pfingstgeist gewarnt wurde. Die Pfingstbewegung gründete eigene Gemeinden, ihre Mitglieder traten zum größten Teil aus der Kirche aus.

Für den Osten wurde das 1900 von Prediger Edel in Brieg in Schlesien gegründete christliche Erholungsheim der Zentralpunkt der Pfingstbewegung. Im Mittelpunkt der „pfingstlichen Verkündigung“ stand die „Lehre vom reinen Herzen“. Sie galt als Bedingung für den Empfang der Geistestaufe. Einige bezeugten, mit der Geistestaufe sei man in den Zustand von Adam und Eva zurückversetzt und trage nun wieder den Herrlichkeitsleib.

Von Norwegen ging das Pfingstfeuer auch weiter nach Schweden, Dänemark, England und Frankreich; nach Chile, Brasilien sowie Russland und andere slawische Länder durch Ivan Voronaeff, einen russischen Baptisten aus New York.

Diese Ereignisse werden als erste Welle einer weltweiten Bewegung des Heiligen Geistes bezeichnet.

Von der Mehrheit der Christen wurde das Pfingstzeugnis jedoch verworfen. So hatten auch die „Fundamentalisten“ in den USA bis 1928 alle Pfingstler aus ihren Reihen ausgeschlossen.

Im Jahr 1960 entstand die als zweite Welle des Heiligen Geistes bezeichnete Charismatische Bewegung, als ähnlich wie 1906 in der Azusa-Street, in einer Gemeinde der Episkopalkirche in Kalifornien die Geistestaufe praktiziert wurde. Am 3. April hielt Dennis Benett vor seiner Gemeinde in Van Nuys (Kalifornien) eine Predigt, in der er bekannte, selbst die Geistestaufe erlebt und die Gabe der Zungenrede empfangen zu haben. Seine Frau und 60 seiner Gemeindeglieder machten daraufhin die gleiche Erfahrung. Im weiteren Verlauf rief das Zungenreden in der Gemeinde in Van Nuys aber solche Spannungen hervor, dass Dennis Benett wegging. Damit begann für ihn eine Art Reisedienst, der stark zur Verbreitung der Charismatischen Bewegung beitrug. 1962 machte der lutherische Pfarrer Larry Christenson (USA) eine ähnliche Erfahrung wie Dennis Benett, und wurde zum eifrigen Verfechter der charismatischen Bewegung auf lutherischem Boden.

Dabei wird die grundlegende Lehre der Pfingstbewegung wie Erleben des Heiligen Geistes mit Sprachenreden, Prophetie, Visionen und Krankenheilungen übernommen, aber befürwortet, dass die Anhänger der Charismatischen Bewegung in den jeweiligen Kirchen bleiben, statt sie zu verlassen. Sie umfasst von daher nicht nur verschiedene protestantische Kirchen, sondern auch römisch-katholische Kirchengemeinden. Wen jemand „in Zungen reden“ kann oder eine „Wunderheilung“ erlebt hat, so wird er von den Charismatikern ungeachtet seiner Kirchenzugehörigkeit oder seiner lehrmäßigen Anschauungen angenommen. So spielt es keine Rolle, wenn durch die „Taufe mit dem Heiligen Geist“ eine größere Liebe zur Messe, zur Maria oder ein tieferes Verständnis der Sakramente bekundet wird.

Die charismatische Gemeindeerneuerung hat auch gerade im Katholizismus zu neuen Aufbrüchen geführt. Dabei deckt die charismatische Bewegung ein breites Spektrum von unterschiedlichen Richtungen ab von eher fundamentalistischer Prägung über evangelikal bis Weltoffenheit.

1967 wird als Beginn einer pfingstlich-charismatischen Bewegung in der Katholischen Kirche gesehen. Was viele Beobachter überraschte war, wie schnell sich die „Taufe im Heiligen Geist“ unter Katholiken ausbreitete.

Die etwa seit 1968 einsetzende weltweite Verbreitung des charismatischen Gedankenguts ist weitgehend nordamerikanischen Laienführern zu verdanken. 1969 bezeichneten die amerikanischen Bischöfe die Charismatische Erneuerung in einer ersten Stellungsnahme als „eine Bewegung, der erlaubt werden sollte, sich zu entwickeln.“

Am Pfingstfest 1975 fand in Rom der dritte internationale Kongress der katholischen charismatischen Erneuerung statt, an dem 10.000 Menschen aus etwa 65 Ländern teilnahmen. Nach der am Pfingstmontag von Kardinal Suenens am Papstaltar zusammen mit 750 Priestern und Bischöfen gefeierten Eucharistie (dem ersten charismatischen Gottesdienst in der Geschichte des Peterdomes) bezeichnete Papst Paul VI diese Erneuerung als „eine Chance für die Kirche und die Welt“, als katholische Erneuerung, als Erneuerung im Heiligen Geist“, und betonte ausdrücklich: „Die mehr und mehr säkularisierte Welt braucht nichts nötiger als das Zeugnis dieser ‚geistlichen Erneuerung’“. Ein Höhepunkt jenes Gottesdienstes war es, als Tausende in neuen Zungen sprachen und sangen.

1978 wurde ein ähnlicher Pfingstgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury (England) abgehalten. Etwa 2.000 „geisterfüllte“ Anglikaner und Episkopale frohlockten im Heiligen Geist, während Zungenrede und Weissagung in dieser Hochburg der Anglikanischen Kirche erklangen.

Seit Anfang 1970 finden in Deutschland innerhalb der charismatischen Bewegung europäische ökumenische Leitertreffen, Familien- und Jugendtreffen statt bis hin zum gemeinsamen Kongress der Charismatischen Bewegungen 1999 in Nürnberg unter dem Motto „Jesus 2000“.

Die Charismatische Bewegung wuchs vor allem innerhalb der etablierten Kirchen, unabhängige Pfingstgemeinden entstanden erst in zweiter Linie. Ebenso wuchs der Einfluss auch auf der internationalen Ebene, vor allem durch die Oral Roberts Universität in Tulsa, Oklahoma. Die einfache Lehre von Oral Roberts, einem Heilungsevangelisten lautete: „Gott ist ein guter Gott, und der Teufel ist ein schlechter Teufel. Gott will das Gute (Gesundheit, Reichtum, Wohlbefinden) für dich, der Teufel das Schlechte (Krankheit, Armut, Depressionen). Darum entscheide dich für das Gute, für Gott!“ Roberts hat eine der modernsten Universitäten der Welt gegründet, deren Geldgeber und Direktoren die Manager der „Geschäftleute des vollen Evangeliums“ sind.

So gibt es inzwischen zwei Strömungen im „Wirken des Geistes Gottes“: Eine in den ‚Pfingstgemeinden’ und die andere in den traditionellen Kirchen. Das hat zu einem besseren Verständnis zwischen beiden geführt und zu einer Gemeinschaft, die man nicht für möglich gehalten hätte. So zählt die ökumenische Offenheit mit zu den stärksten Eindrücken der Bewegung.

Zur neueren charismatischen Bewegung gehört die Dritte Welle des Heiligen Geistes oder der so genannte Toronto-Segen. Dieser breitete sich seit Anfang 1984 von einer Vineyard-Gemeinde beim Flughafen Toronto (Kanada) aus. Dabei lachen, tanzen, weinen, zittern oder stürzen Gottesdienstbesucher zu Boden.

Der Anstoß zu dieser neuen Bewegung kam durch Dr. John Wimber, dem Gründer der Vineyard Gemeinden und Dr. Peter Wagner vom Institut für Gemeindewachstum am „Fuller Theological Seminary“, die in evangelikalen Gemeinden rund um die Erde bekannt wurden. Neben intensiverer Bewertung von Heilung, Zeichen und Wunder, behaupteten sie, dass das Austreiben von so genannten „territorialen Mächten“ notwendig sei, um den Auftrag der Weltevangelisation zu erfüllen; auch dass Gott die Ämter der Propheten und Apostel wieder eingeführt habe und dass diejenigen, von denen man vermute, dass sie diese Ämter haben, direkte Offenbarungen von Gott für die Gemeinde bekämen und göttliche Vollmacht über die Kirche ausüben könnten. Diese Bewegung wird oft auch „Power-Evangelisation oder „Evangelisation durch Heilung, Zeichen und Wunder“ bezeichnet.

Dabei spielt das Wohlstandsevangelium eine große Rolle. Nach dieser Überzeugung bewirkt der angeblich volle Glaube nicht nur Befreiung von der Schuld der Sünde, sondern auch Sieg über alle Krankheiten und Armut. Der Internist Dr. Wolfhard Margies, ein entschiedener Verfechter dieser Überzeugung, bescheinigt in seinem Buch „Das Kreuz der Gesegneten“ den verfolgten Christen in Russland, dass diese ihre Glaubenüberzeugungen nicht völlig ausgelebt hätten, und so an ihrer Misere selbst schuld gewesen seien. Sie „…haben durch ihre unbiblischen, dem Willen Jesu zuwider laufenden Leidensprioritäten die Obrigkeit indirekt in die jahrhundertlangen antigöttlichen Herrschaftsformen getrieben. Mit ihrem verkehrten Verständnis haben sie dann schließlich das geerntet, was sie gesät haben.“

Ökumenisch in der Ausrichtung und entschieden weltlich in der Praxis, haben sich die „Drei Wellen des Heiligen Geistes“ (Pfingstler, Charismatiker und Power-Evangelisten) nun zu einer mächtigen Koalition zusammengeschlossen, welche sich sehr rasch ausbreitet.

Zum Schluss möchte ich nochmals die anfangs genannten vier Grundsatzfragen in Erinnerung rufen und auf die Worte Jesu in Matthäus 7, Vers 15 bis 23 verweisen:

 

„Hütet euch aber vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln? So bringt ein jeder gute Baum gute Früchte, der faule Baum aber bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr’ wird in das Himmelreich eingehen, sondern, wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tage sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Taten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt! Weichet von mir ihr Übeltäter!“

 

 

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