Christen im Dienst an Kranken e.V.
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Kremation oder Erdbestattung

Beim folgenden Text handelt es sich um die thesenartige Zusammenfassung eines Vortrags von Pastor Dr. Wolfgang Nestvogel, den der Verfasser  am 21.11.2015 im Rahmen eines CDK-Seminars in Hannover gehalten hat. Der vollständige Vortrag ist auf CD erhältlich.

Ausgangsfrage


Der Umgang mit einem Todesfall stellt den Christen in eine doppelte Verantwortung, die er auf der Grundlage biblischer Ethik sowohl gegenüber dem Verstorbenen als auch gegenüber den noch Lebenden wahrnehmen muss.
Sollen wir uns für eine Erdbestattung oder eine Kremation entscheiden?
Die Bibel entwickelt zu dieser Frage keine explizite systematische Lehre, sondern wir sind darauf angewiesen, die Indizien zusammenzutragen und zu bewerten.

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Auszug aus dem CDK Rundbrief Nr. 80
RB 80 Seiten 10-17.pdf
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1. Die biblische Deutung des Leibes

 

1.1. Der Leib ist Gottes Schöpfung und Gabe – und mit einer unverlierbaren Würde ausgestattet:

 

  • eine Einheit von Seele und Geist  (1.Mose 1,27)
  • steht unter dem Schutz Gottes und wird seinem Segen anbefohlen (1.Thess 5,23)
  • ein Gefäß“, mit dem wir verantwortlich umzugehen haben (1.Thess 4,4)
  • in die von Gott geforderte Lebenshingabe ausdrücklich eingeschlossen (Röm 12,1)
  • ein Tempel des heiligen Geistes (1.Kor 6,19) - deshalb stellt eine Verunreinigung des Leibes durch „Hurerei“ eine gravierende Sünde dar

Das biblische Leibverständnis steht damit im Gegensatz zum griechischen Dualismus, der den Leib gegenüber dem Geist als minderwertig einstuft. Von dieser leibfeindlichen Voraussetzung konnte die Gnosis sowohl libertinistische als auch asketische Konsequenzen ableiten.


1.2. Der Leib steht unter den Folgen des Sündenfalls und ist darum dem Tod verfallen (1. Mo 3,19).

 

  • Der Tod ist die Konsequenz der Sünde, was sowohl in physischer als auch geistlicher Hinsicht gilt. (Röm 6,23; Röm 5,12)
  • An diesen Konsequenzen der Sterblichkeit partizipiert die gesamte Schöpfung, einschließlich des menschlichen Leibes. (Röm 8,20-23)
  • Auch der sola gratia und sola fide bereits als Kind Gottes adoptierte Christ ist der durch den Sündenfall bedingten Leibverfallenheit noch nicht enthoben.  Er steht unter dem „eschatologischen Vorbehalt“ des schon - noch nicht. (Röm 8,23)

 

1.3. Im Augenblick des Todes wird der Mensch selbst (Ich, Persönlichkeit, Name, Geist) von seinem sterblichen Leib getrennt.  (2.Kor 5,8; Lk 16,19-23)


1.4. Der den Erlösten verheißene Auferstehungsleib ist eine Neuschöpfung.

 

  • Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen  wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist. (2.Kor 5,1)
  • ...der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so dass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann. (Phil 3,21)
  • So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit. (1.Kor 15,42)
  • Es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft (1.Kor 15,43)
  • Es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib,und es gibt einen geistlichen Leib. (1.Kor 15,44)
  • Das aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können; auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit. (1.Kor 15,50)

 

1.5. Eine „Verwandlung“ des alten Leibes in den neuen Leib geschieht bei der „Entrückung“.


Dieser Vorgang vollzieht sich bei den Christen, die zur Zeit der Wiederkunft des HERRN noch leben (und folglich an der „Entrückung“ teilhaben) - und denen darum das Schicksal eines leiblichen Sterbens erspart bleibt.

  • ...plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. (1.Kor 15,52)
  • Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen. (1.Kor 15,53)
  • Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter... (Phil 3,20)
  • Denn in diesem [Zelt] seufzen wir vor Sehnsucht danach, mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet zu werden (2.Kor 5,2)

 

1.6. Die Auferstehung Jesu war auch insofern eine Ausnahme, als der Leib des Sohnes Gottes nicht von der Verwesung betroffen war.

  • leere Laken an der Stelle, wo der Leib gelegen hatte (Joh 20,6)
  • der Leib des Auferstandenen trägt noch die Spuren des Gekreuzigten (Joh 20,27)
  • im Gegensatz zu David hat Christus die Verwesung nicht gesehen (Apg 13,35-37)  

 

 

Und ganz Israel wird ihn beklagen, und sie werden ihn begraben; denn von Jerobeam wird dieser allein in ein Grab kommen, weil an ihm vor dem HERRN, dem Gott Israels, etwas Gutes gefunden worden ist im Haus Jerobeams. (1.Kö 14,13)

2. Biblische Indizien zum Umgang mit dem verstorbenen Leib

 

2.1. Die Bibel kennt keine Mystifizierung des toten Leibes.

  • Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben. (Lk 9,60)


2.2. Auch der verstorbene Leib behält seine Würde und bleibt in Gottes Blick.

  • Der Erzengel Michael dagegen, als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich! (Jud 1,9)

 

2.3. Die Bibel schildert angemessenen Umgang mit verstorbenen „Gebeinen“ durchweg als Grablegung.

  • Abraham kauft sich ein Erbbegräbnis im Land Kanaan  (Gen 23,17.20)   
  • darin wird auch Jakob begraben, der sogar die Überführung seines Leichnams bei der Rückkehr aus Ägypten verfügt (Gen 49,29; 50,5)
  • Moses Begräbnis wird von Gott selbst durchgeführt  ( 5.Mose 34,4-6)
  • Jesus selbst wurde in einem Höhlengrab „begraben“ (Lk. 23,53)
  • Paulus vergleicht den Bestattungsvorgang mit einem Saatvorgang (1.Kor 15,44)
  • die Verweigerung eines ordentlichen Begräbnisses gilt als Strafe:

Du aber bist hingeworfen fern von deiner Grabstätte, wie ein verabscheuter Schößling, bedeckt mit Erschlagenen, vom Schwert Durchbohrten, die in eine mit Steinen bedeckte Grube hinabfahren, wie ein zertretenes Aas.

(Jes 14,19)

 

Du wirst nicht mit jenen vereint werden im Grab, denn du hast dein Land zugrundegerichtet, hast dein Volk erwürgt. Der Same der Übeltäter wird in Ewigkeit nicht mehr erwähnt werden!

(Jes 14,20)

 

...sondern er soll wie ein Esel begraben werden, indem man ihn fortschleift und hinwirft, fern von den Toren Jerusalems!

(Jer 22,19)

 

... darum, siehe, bringe ich Unheil über das Haus Jerobeams, und ich will ausrotten von Jerobeam, was männlich ist, Mündige und Unmündige in Israel, und ich will die Nachkommen des Hauses Jerobeams ausfegen,
wie man Kot ausfegt, bis es ganz aus ist mit ihm.

(1.Kö 14,10)

 

Wer von Jerobeam in der Stadt stirbt, den sollen die Hunde fressen;
wer aber auf dem Feld stirbt, den sollen die Vögel des Himmels fressen; denn der HERR hat es gesagt!

(1.Kö 14,11)

 

So mache dich nun auf und geh heim, und wenn dein Fuß die Stadt betritt, wird der Knabe sterben!

(1.Kö 14,12)

 

Und ganz Israel wird ihn beklagen, und sie werden ihn begraben; denn von Jerobeam wird dieser allein in ein Grab kommen, weil an ihm vor dem HERRN, dem Gott Israels, etwas Gutes gefunden worden ist im Haus Jerobeams.

(1.Kö 14,13)


2.4. Die Verbrennung von Menschen ist innerbiblisch ausschließlich negativ konnotiert  (hat immer einen negativen Bezug).

  • Feuer gilt allgemein als Zeichen des Gerichtes
  • Sodom und Gomorra wurden durch „Feuer und Schwefel“ gerichtet (Gen 19,1-23)
  • die „Rotte Korah“ wurde durch Feuer „verzehrt“  (4. Mose 16,2 ff)
  • das Strafgericht über Achan, der sich an der gebannten Beute vergriff, wurde durch Verbrennung vollzogen (Jos 7,25;  vgl. Am 2,1-3)
  • es war ein schweres Vergehen, wenn Könige ihre Kinder „durch’s Feuer gehen“ ließen und damit dem Moloch opferten (2.Kön 16,3)

 

2.5. Auch im Volk Israel wurden bestimmte Vergehen mit Todesstrafe durch Verbrennen belegt.

  • Wenn ein Mann eine Frau nimmt und ihre Mutter dazu, so ist das eine Schandtat; man soll ihn samt den beiden Frauen mit Feuer verbrennen, damit keine solche Schandtat unter euch sei. (3.Mo 20,14)
  • Und wenn die Tochter eines Priesters sich durch Unzucht entweiht, so entweiht sie ihren Vater; sie soll mit Feuer verbrannt werden! (3.Mo 21,9)

Erst in der Neuzeit wurde die Totenverbrennung dann wieder programmatisch verbreitet – in eindeutiger Gegnerschaft zum christlichen Menschenbild, bzw. zur Auferstehungshoffnung.

3. Ergebnis des biblischen Befundes


Aus dem biblischen Befund ergibt sich damit die Grablegung als einzig angemessene Form des Umgangs mit dem verstorbenen Leib.
Diese wahrt die Würde des Leibes und seine Unantastbarkeit, die über den Tod hinaus Gültigkeit hat.
So wie der ganze Mensch gehört auch der verstorbene Leib dem HERRN und steht nicht der Disposition der Weiterlebenden zur Verfügung.

 


4. Wie konnte es dann zur Verbreitung der Feuerbestattung kommen?


4.1. Verbreitung und Motivation der Feuerbestattung

  • schon die Römer verbrannten die christlichen Märtyrer und streuten ihre Asche in die Flüsse (dies geschah auch, um damit die Auferstehungshoffnung zu karikieren)
  • bekannt aus Hinduismus und Buddhismus
  • bei Germanen: Furcht vor Rückkehr der Toten
  • nach der Christianisierung: Verbot der Totenverbrennung

 

4.2. Erst in der Neuzeit wurde die Totenverbrennung dann wieder programmatisch verbreitet – in eindeutiger Gegnerschaft zum christlichen Menschenbild, bzw. zur Auferstehungshoffnung.


4.3. Freimaurer und „Freidenker“ haben das Anliegen mit besonderem Nachdruck verfolgt.

  • Wikipedia schreibt zur Geschichte der Kremation:
    „Die Ärzteschaft lobte die Feuerbestattung als die hygienischere Bestattungsform, die Arbeiterverbände und die aufkeimende Sozialdemokratie sahen hier eine kostengünstigere Bestattungsart, und die sich ausbreitenden areligiösen Verbände wie die Freidenker propagierten die Feuerbestattung gezielt, auch in bewusster Abgrenzung zur christlichen Bestattungskultur, da das Konzept der Auferstehung abgelehnt wurde.“
  • Weltkonferenz der Freimaurer (1869):
    „Der Religion des Kreuzes und der Auferstehung soll eine Religion der Urne entgegengesetzt werden.“
  • 1876: Leichenverbrennungsverein von Freimaurern in Mailand gegründet
  • 1885 schreibt ein Gelehrter in Mailand:
    „Die Leichenverbrennung ist Freimaurersache, die Verbrennung der Leiche soll als Gesetz der Freimaurerei gelten.“
  • 1878: erstes Krematorium Deutschlands  in Gotha eingerichtet
  • 1905: Verband der „Freidenker für Feuerbestattung“ gegründet

 

4.4.  Befund: Die gezielte Förderung der Feuerbestattung erfolgte ausdrücklich und absichtlich in Gegnerschaft zum biblischen Konzept der Auferstehung!

 

 

Ein Nebeneffekt der verbreiteten Feuerbestattung ist, dass diese Bestattungsart es den Menschen erleichtert, den Tod zu verdrängen, bzw. einen endgültigen Schlussstrich  gegenüber dem  Verstorbenen zu ziehen. Anonyme Gräberfelder, auf welche  die Asche verstreut wird, wären bei einer Erdbestattung nicht denkbar.

5. Abschließende Bewertung der Indizien


Wir haben Indizien sowohl zum biblischen Befund als auch zur geschichtlichen Entwicklung zusammengetragen. Daraus ergibt sich keine abgeschlossene biblische Lehre, aber dennoch eine klare Tendenz. Christen sollten nur Erdbestattungen durchführen lassen.


5.1. Das Zeugnis der Erdbestattung
Mit dieser Bestattungsform, wenn sie richtig erklärt wird, kann das Zeugnis der Auferstehung wesentlich besser verdeutlicht werden als durch eine Kremation: Wir geben den Verstorbenen in das Grab, aber wir erwarten seine Auferstehung; dabei wissen wir: was in das Grab hineingelegt wird, ist letztlich nur noch wie ein „altes Kleid“, das wir ablegen und dann gewissermaßen im Grab „verstauen“.
Mit der Erdbestattung wird auch vermieden, dass nach dem Tod in einem zerstörerischen Sinn an diesem Menschen noch Hand gehandelt werden muss.

 
5.2. Das Zeugnis der Kremation
Ein Nebeneffekt der verbreiteten Feuerbestattung ist, dass diese Bestattungsart es den Menschen erleichtert, den Tod zu verdrängen, bzw. einen endgültigen Schlussstrich  gegenüber dem  Verstorbenen zu ziehen. Anonyme Gräberfelder, auf welche  die Asche verstreut wird, wären bei einer Erdbestattung nicht denkbar.
Diese Anonymisierung erleichtert einerseits den Versuch, den Tod nicht so nahe an sich herankommen zu lassen. Andererseits fehlt den Menschen aber später ein konkreter Ort des Trauerns,  wie es Bestatter bestätigen.


5.3. Christen sollten sich dafür einsetzen, die Erdbestattung zu propagieren und in ihren eigenen Familien zu praktizieren.
Jemandem, der sich für die Feuerbestattung entscheidet, können wir nicht direkt aus der Bibel beweisen, dass die Feuerbestattung eine Sünde sei.  Allerdings sollten wir die genannten Belege und Indizien aus der Bibel geltend machen, welche aufzeigen, dass es sich bei der Kremation um einen heidnischen Brauch handelt.
In unserer Gesellschaft wird der Tod als endgültiges Auslöschen der Person gedeutet, wie es der 2015 verstorbene ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview ausgedrückt hat: „Danach kommt nichts mehr, danach bin ich weg.“
Je mehr der Zeitgeist den Tod verharmlost, eine Zukunft nach dem Tod für undenkbar erklärt und den doppelten Ausgang („Himmel oder Holle“) leugnet, umso eindeutiger sollte das Zeugnis der Christen auch in der Form ihrer Bestattungskultur sein.


5.4. Ausblick:
Christen sollen ihre eigene Beerdigung und die ihrer Angehörigen bewusst als evangelistische Möglichkeit erkennen und in diesem Sinne rechtzeitig vorbereiten. Auch für diesen Ernstfall gilt die Ermutigung aus 1.Petr 3,15:  


„Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann,
der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“


Eine sterbende Welt braucht das eindeutige Auferstehungszeugnis der Christen auch auf dem Friedhof!

„Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“

 

 

 

 

 

Auch als DIN A5 Broschüre zum Weitergeben ist dieser Vortrag im CDK Medienshop vorhanden.

 

 

Der untenstehende Auszug aus den Vortrag von Pastor Dr. Wolfgang Nestvogel ist zu hören auf der MP3-CD:

"Ethische Probleme des Alters aus biblischer Sicht"

Auf dieser CD sind folgende Vorträge zu hören:

  • Alzheimer, Demenz und der christliche Glaube
  • Sterbehilfe aus biblischer Sicht
  • Palliativmedizinische Betreuung als Alternative zur Sterbehilfe
  • Erdbestattung oder Kremation?

 

 

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