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Osteopathie

Aus der CDK- Rundbrief-Reihe: Ich hab da mal eine Frage ...

Der Begriff Osteopathie leitet sich aus den griechischen Wörtern “osteo“ für „Knochen“ und „pathie“ für Leiden her .
Dabei werden auch die Begriffe „Manuelle Medizin“, „Manualtherapie“, Chirotherapie und „Chiropraktik“ verwendet. Darunter werden Verfahren verstanden, die manuell, also mit den bloßen Händen des Behandlers ...

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von Christine Müller

 

Definition

Der Begriff Osteopathie leitet sich aus den griechischen Wörtern “osteo“ für „Knochen“ und „pathie“ für Leiden her .
Dabei werden auch die Begriffe „Manuelle Medizin“, „Manualtherapie“, Chirotherapie und „Chiropraktik“ verwendet. Darunter werden Verfahren verstanden, die manuell, also mit den bloßen Händen des Behandlers ausgeführt werden.
Die osteopathische Behandlung wird zum Bereich der Alternativmedizin gerechnet.

Weltweit betrachtet wenden (Fach-)Ärzte (im europäischen Sinne), Doctors of Osteopathy (D. O., USA), nichtärztliche Osteopathen (vergleichbar mit dem deutschen Heilpraktiker - z. B. England), Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Masseure, Diplomsportlehrer und andere nichtmedizinische Berufsgruppen Osteopathie an.

Der englische Begriff osteopathy steht für ein Diagnose- und Therapiekonzept, das auf den US-Amerikaner Andrew Taylor Still zurückgeht. Die von ihm entwickelten theoretischen Grundlagen entsprechen einer Philosophie und sind nicht naturwissenschaftlich ausgerichtet. Was brachte A.T. Still dazu, eine solche Methode zu entwickeln?

 

Aus dem Lebenslauf von A. T. Still

Andrew Taylor Still lebte in der Zeit von 1828 bis 1917. Er war der Sohn eines Methodistenpredigers aus Virginia. Im Jahre 1864 bekamen drei seiner Kinder Rückenmarksentzündung. Mit normalen Heilmitteln konnten sie nicht geheilt werden und alle drei starben. Damit konfrontiert, entschloss sich Still, sein Leben der Heilung solcher Kranker zu widmen und ein neues Heilmittel zu finden.

Er glaubte nicht länger an die Wirkung von Arzneimitteln und gewann nach und nach die Überzeugung, dass die Antwort auf die Frage nach einer Krankheit im Körper selbst lag. Er schrieb in seiner Autobiographie: „Ein so weiser Gott hat sicher das Heilmittel in dem materiellen Gehäuse niedergelegt, in dem der Geist des Lebens wohnt.“

Zehn Jahre lang studierte Still Anatomie. Er ließ Leichen ausgraben, um sie zu sezieren und trug Knochen in seinen Taschen mit herum, um sie immer zu fühlen und zu überlegen, wie sie zu jeder Tageszeit arbeiteten. Schließlich kam er zu der Schlussfolgerung, dass die Krankheit durch Rückgratveränderungen verursacht wurde. Schäden, die der normalen Bewegung der Gelenke entgegenstanden, die aber manchmal so gering waren, dass der Patient sie zunächst gar nicht bemerkte. Von seiner eigenen Schlussfolgerung sagte er: „Ich kam im Jahre 1874 zu der Überzeugung, dass es im lebendigen Blut von gesunden Blutkörperchen wimmelte, die zu allen Teilen des Körpers geleitet wurden. Wenn dieser Blutfluss geschädigt wird, fährt man den Strom des Lebens hinab und treibt in den Ozean des Todes.“

Wie die Akupunkteure glaubte Still an eine Lebenskгaft. Er gab ihr keinen besonderen Namen und glaubte nur, dass sie immer in der richtigen Form durch den Körper fließen müsste. Und ebenso wie die Akupunkteure stellte er seine Diagnose, indem er den Körper eines Patienten sorgfältig mit den Fingern abtastete. Still und die Osteopathen, die nach seinen Lehren arbeiten, tasten das Rückgrat nach kleinen Lageveränderungen ab. Sie glaubten, dass Behandlungen des Rückgrats den lebensspendenden Blutfluss und die Lebenskraft wieder frei durch den Körper fließen ließen.
Wie Still verwandten die frühen Osteopathen keine Arzneimittel und glaubten, dass sie mit der neuen Technik fast alle Krankheiten heilen könnten.

 

Der geistig/geistliche Hintergrund

Entscheidend beeinflusst wurden sowohl Still‘s Philosophie als auch seine Lebenseinstellung durch den damals herrschenden Zeitgeist. Von seinem Elternhaus war Still protestantisch geprägt. Ungefähr 1867 kehrte Still seinem evangelischen Glauben den Rücken zu und schloss sich dem Spiritualismus an . Der Spiritualismus war damals in Amerika eine populäre Bewegung. Seit 1849 gab es zahlreiche Medien, die in Séancen durch ihren Trancezustand Kontakt mit der Geisterwelt herstellten und so Informationen aus dem Jenseits erhielten.

Der Spiritualismus war beeinflußt von dem Mystiker Emanuel Swedenborg. Von ihm übernahmen die Spiritualisten die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod, das sich in einer hierarchisch strukturierten, spirituellen Welt ständig höher entwickelt. Und sie fanden diese Vorstellung in ihren Botschaften aus dem Jenseits bestätigt. Der Gedanke an eine ständige Höherentwicklung fand sich ebenfalls in der sich damals verbreitenden Evolutionslehre des Charles Darwin.
Auch der 1836 in die Amerikanische Gesellschaft eingeführte Mesmerismus, den auch Still praktizierte, hatte in spiritualistischen Kreisen Einfluss. Wie die Medien in den Séancen gerieten Patienten während der magnetischen Heilbehandlung in einen Trancezustand und zeigten paranormale Fähigkeiten wie Hellsehen, Telepathie und Vorhersehung.

„Die spirituelle Philosophie favorisierte den Glauben an Gott als den Vater und die Bruderschaft der Menschheit, die Unsterblichkeit der Seele, spirituelle Verbundenheit, die Existenz von Engeln, ewige Verbesserung und Glück für alle; sie wies den traditionellen Glauben an die Dreieinigkeit, die göttliche Inspiration der Bibel, die Buße, die Taufe, das Samstagsgebot und die Wiederauferstehung der Toten und als ob es noch nicht genug wäre - das Konzept von Himmel und Hölle zurück.“

Still berichtete seinem Bruder James von den Séancen: „Engel kommen zurück, wurde gesagt.“ Sein Bruder antwortete: „Nein, nur die Niederträchtigen kommen zurück.“ „Warum sollten nur die Niederträchtigen zurückkehren, es heißt doch Gott kenne kein Ansehen der Person?“ In diesem Moment überkam Still eine Lähmung, ein Schock. Eine Stimme, von der Still nicht sagen konnte, ob sie einem Engel oder einem Teufel gehörte, fragte ihn: „Willst du unsere Fahne tragen, wenn wir sie in deine Hand geben?“. Die Fahne ist wohl ein Symbol für die spiritualistische Bewegung, die ein Magazin herausbrachte mit dem Titel: „The banner of Light“

Still nahm die Verpflichtung zu jener Fahne zu stehen, solange er lebte, an. In der folgenden Zeit begann Still Visionen zu haben wie sie ihm nie zuvor begegnet waren. Am 22. Juni 1874 um 10 Uhr vormittags sah er ein Licht, das ihn „nicht ins Herz, aber in das Gewölbe seines Verstandes“ traf. So offenbarte ihm der Gott der Natur: „Dies ist meine medizinische Bücherei, meine Praxis und meine Geburtshilfe. Dies ist mein Buch mit allen Anweisungen, Instruktionen, Dosierungen, Größen und Mengen, was in allen Fällen von Krankheit, Geburt, dem Beginnen der Menschheit, in Kindheit, Jugend und Alter zu verwenden ist.“

Still bediente sich bei seiner Behandlung der Visualisierung (Herbeirufen bestimmter Bilder vor dem „inneren Auge“), seiner Beobachtung, seines Fingerspitzengefühls. Er behauptete, die Aura seiner Patienten sehen zu können: Vibrationen, die vom Körper ausgingen. Sie gaben ihm Aufschluss über den Zustand des Körpers.
Die Vermutung liegt nahe, dass Still selber zu einem Medium der Geisterwelt wurde. So sagte er: „Маn braucht kein Medium, um mit dem Unendlichen in Verbindung zu treten. Man hat dieses Unendliche in sich selbst. Erkenne und kultiviere es.“

Als Still 1903 das Treffen der spirituellen Gesellschaft des Mississippitals in Clinton, IOWA besuchte, wurde über seine Erfahrungen im Bulletin of the Axis and Atlas Clubs berichtet.
Still sagte:
„Ich habe auf den Theologen gehört. Er theoretisiert und weiß nicht weiter. Ich habe auf den Materialisten gehört. Er philosophiert und versagt. Ich habe die Phänomene behalten, die durch das spirituelle Medium gegeben wurden. Was es mir gezeigt hat, war Trost und Heilung für meine Seele.“

Auch Daniel David Palmer, ein magnetischer Heiler ließ sich von Still 1893 behandeln. Zwei Jahre später veröffentlichte er seine Entdeckung der Chiropraktik, einer Methode der manipulativen Heilung ähnlich zu Stills osteopathischen Techniken.

 

Theoretische Grundlagen

 Still ging davon aus, dass der Körper eine Funktionseinheit bildet. Störungen in einem Bereich wirken sich auch auf andere Bereiche aus; durch die Behandlung des Knochengerüstes und des Bewegungsapparates sollen sich daher Störungen des Organismus beheben lassen. Nach Still hängen alle Körperfunktionen von der Ver- und Entsorgung durch das Gefäß- und Nervensystem ab. Arterienverkalkung, blockierte Gelenke oder verspannte Muskeln könnten die Versorgung des Körpers durch den Blutkreislauf und das Lymphsystem behindern und führen zu Symptomen.

Bei Störungen der Versorgung wird der Körper, laut Still versuchen, dies auszugleichen. Der Osteopath kann nach seiner Theorie mit den Händen die „Grundspannung“ von Muskeln, Knochen und Gelenken feststellen und so gestörte Funktionen erkennen.

Nach Auffassung Stills heilt sich der Körper bei Störungen grundsätzlich selbst, und es ist nicht möglich, ihn von außen zu heilen. Die Osteopathie soll die Selbstheilungskräfte aktivieren und fördern.

 

Vorläufer

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa die Kunst des Bone-Setting (= Knochensetzen, die Medizinreligion der Shawnee Indianer). Ein zentrales Thema der „Bone-Setter“ waren tastbare Gelenkfehlstellungen, die sie ursächlich als muskulär ausgelöst betrachteten und auch entsprechend behandelten. „Bone-Setter“ behandelten nicht nur tatsächliche Luxationen (Ausrenkungen eines Gelenks) oder Knochenbrüche, sondern verstanden sich auch als bessere Alternative zur zeitgenössischen Schulmedizin.

  • Osteopathie
    Es wird davon ausgegangen, dass Andrew Taylor Still die Methode des Bone-settings kannte und möglicherweise auch beherrschte. Gleichzeitig galt er auch als interessiert an anderen wissenschaftlichen Strömungen seiner Zeit, wie der Darwinschen Evolutionstheorie und der Theorie von John M. Neil über die Selbstheilungskräfte des Körpers. Still präsentierte am 22. Juni 1874 die Osteopathie als „neue Wissenschaft“ der Allgemeinheit. Einen Bezug auf bereits bestehendes Wissen vermied er bewusst, als Referenz bezog er sich auf Gott und seine eigene Erfahrung.

    Bei der Kranio-Sakral-Therapie, finden Handgrifftechniken (meist an Schädel und Kreuzbein) Verwendung, mit deren Hilfe der menschliche Organismus in Harmonie mit sich selber gebracht werden soll. So soll z,B. sanfter Druck auf den Schädel bzw. auf Körperregionen Spannungszustände ausgleichen.
    J. Upledger veröffentlichte 2006 im Haug-Verlag sein Buch: „Im Dialog mit der Zelle — Cell talk.“ Was für Still „das Unendliche“ war, ist für ihn die kosmische Energie, der er ein persönliches Bewußtsein zuschreibt, also göttlichen Charakter. Mit Hilfe eines Geistführers, des inneren Arztes, nimmt Upledger Kontakt zu den Zellen auf und spricht mit ihnen.

    In Deutschland begannen Ärzte in den 1950er Jahren, stark geprägt durch den Austausch mit amerikanischen Chirotherapeuten die „manuelle Medizin/Therapie“ zu nutzen. In Deutschland kann man Osteopathie derzeit nur an privaten Ausbildungsinstituten erlernen. Um einen einheitlichen Ausbildungsstandard bemühen sich nach eigenen Angaben verschiedene osteopathische Berufsverbände.
     
  • Chiropraktik
    Die Chiropraktik von griech. cheir „Hand“ und praxis „Tätigkeit“ ist eine Behandlungsmethode mit dem Ziel, die normale Beweglichkeit der Gelenke besonders an der Wirbelsäule wiederherzustellen. Begründer war Daniel David Palmer. Ein Arbeiter konnte plötzlich nicht mehr hören, nachdem er schwer gehoben hatte. Nachdem Palmer bei ihm einen Wirbel wieder in die „richtige“ Position gebracht habe, konnte der Mann wieder hören. Mit seiner Art von Wirbelbehandlung, bei der er die Dorn- und Querfortsätze als Hebel benutzt, um „ausgerenkte“ Rückenwirbel in eine „normale“ Position zu bringen, glaubte Palmer, die Heilkunst zu revolutionieren.

    Chiropraktiker arbeiten daher mit speziellen Handgriffen, mit dem Ziel, sogenannte Subluxationen (Teilausrenkungen von Gelenken) an der Wirbelsäule wieder aufzuheben.
    Außerdem werden Gelenke traktiert (Gelenkpartner durch Zug voneinander entfernt), oder mobilisiert = Gelenkanteile parallel gegeneinander bewegt.

    Auch soll die Muskulatur durch Dehn- und Entspannungstechniken angepasst werden.
    Dazu kommen Reflextechniken, d.h. unter gezielter Ausnutzung von Nervenreflexen soll die Spannung der Muskulatur und die Schmerzwahrnehmung beeinflusst werden .


Befunderhebung

Die osteopathische „Diagnose“ und „Therapie“ erfolgen in der Regel durch Tasten. Eine osteopathische Befunderhebung kann aber nicht mit einer medizinisch-wissenschaftlichen Diagnose verglichen werden.
Darstellung in medizinischen Fachlexika:

So beschreibt das Springer Lexikon Medizin, dass bei der Osteopathie Subluxationen (Teilausrenkung von Gelenken) Gegenstand der Behandlung seien. Diese würden die Einklemmung von Wurzelfasern bewirken. Die Subluxationen würden dabei in der Osteopathie ihrerseits für „fassbare Symptome“ wie Schmerz und Fehlhaltung, aber auch für andere Erscheinungen wie Menstruationsstörungen oder Magen-Darm-Erkrankungen verantwortlich gemacht.
Insbesondere letzteres wurde in der Fachliteratur vielfach kritisiert, zumal bei einer Manipulationsbehandlung der Wirbelsäule erhebliche unerwünschte Auswirkungen (z.B. Querschnittslähmung) nicht definitiv ausgeschlossen werden könnten.

Das Roche Lexikon Medizin beschreibt darüber hinaus, dass Diagnostik und Therapie der funktionellen Bewegungsstörungen („Schlüsselbegriff Blockierung“) zum Zwecke der Linderung von Schmerzen, Mobilisierung und Entspannung der Muskulatur durch Handgrifftechniken erfolge. Zudem unterscheidet es zwischen „Weichteiltechniken“, sogenannten „osteopathischen Techniken“, aktiven und passiven Mobilisationstechniken (Mobilisationstherapie), sowie Manipulationstechniken (chirotherapeutische Technik). Auch konkrete Kontraindikationen (Gegenanzeigen) wie destruktive Krankheitsprozesse werden dort genannt. Daneben werden im „Lexikon der Parawissenschaften“ Osteopathie und Chiropraktik als nicht-ärztliche Form der Behandlung dargestellt, die zur ärztlichen Behandlungsmethode Chirotherapie (Syn. Manuelle Medizin) weiterentwickelt worden sei.


Rechtslage

Nach deutscher Rechtsprechung ist die Osteopathie eine Heilkunde im Sinne des Heilpraktikergesetzes und darf nur durch Heilpraktiker und Ärzte ausgeübt oder verordnet werden.
Nur in Hessen kann eine anerkannte Weiterbildung von z.B. Physiotherapeuten z.B. zum Osteopathen absolviert werden. Diese dürfen aber keine Heilbehandlungen eigenverantwortlich durchführen.
Eine osteopathische Behandlung wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert.

 

Medizinische Beurteilung

Heutige Osteopathen betrachten ihr System in der Regel nicht mehr als komplettes Heilsystem, aber sie sehen das Gebiet, in dem es erfolgreich angewandt werden kann, als sehr groß an.
Das instinktive Fühlen ist jedoch weiterhin die Grundlage der Osteopathie. Ausbildung in der Technik ist notwendig, um diese Intuition zum höchsten Nutzen zu führen, aber im Grunde kann diese Intuition nur demonstriert, aber nicht erklärt werden.

Um dem Ganzen in der Osteopathie wie in der Chiropraxis (Manuelle Medizin) einen seriösen (wissenschaftlichen) Touch zu geben, werden in Lehrbüchern in einem ersten Teil ausführlich anatomische und physiologische Grundlagen und daran die eigenen Vorstellungen beschrieben, um Wissenschaftlichkeit vorzugeben. Weiterhin werden neue für die Manuelle Medizin spezifische Krankheitsbegriffe wie Knochenstörungen, Verrenkungen, Wirbelblockierung usw. erfunden, die dem Laien imposant und verständlich erscheinen, wobei jedoch bis heute niemand ein anatomisches oder pathohistologisches Substrat nachweisen konnte.

Osteopathische Behandlungsmethoden sind nicht risikofrei. Insbesondere vorgeschädigte Körperstrukturen können dabei weiter geschädigt werden z.B. können chiropraktische Manöver an der Halswirbelsäule zu Schlaganfällen führen, da die Arteria vertebralis (Wirbelarterie, die auch das Gehirn versorgt) in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die Osteopathie wird insbesondere auch aufgrund des in den USA verbreiteten historischen Konzeptes von medizinischer und wissenschaftlicher Seite kritisiert. Beispielsweise gibt es für die angenommene Anregung der Selbstheilungskräfte durch eine Stimulation des Bindegewebes keinen wissenschaftlichen Nachweis.

In einem Artikel zur Chiropraktik kommt im Mai 2008 der Leiter der Abteilung für Naturheilkunde der englischen Universität Exeter und Plymouth Edzard Ernst zu dem Schluss, dass die Chiropraktik auf mystischen Konzepten basiere. Die grundlegenden Konzepte der Chiropraktik wie Subluxation und die Spinale Manipulation würden nicht auf fundierter Wissenschaft basieren. Prof. Ernst ist auch als Gutachter des Buches Die andere Medizin -„Alternative“ Heilmethoden für Sie bewertet - der deutschen Stiftung Warentest bekannt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Krankheit und Subluxation der Wirbelsäule durch ungünstige Beeinflussung der angeblich betroffenen Nerven - einer Hauptannahme der Chiropraktik - zu geben scheint, womit sie die Chiropraktik in die Nähe der Quacksalberei rücken.

Bei der Osteopathie liegt ein anerkannter wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis nur für Kopf-und Rückenschmerzen vor. Beide Schmerzursachen können jedoch psychosomatisch geprägt sein. Da die manuelle Medizin zum Teil stark manipulativ und körperbezogen ausgerichtet ist, kann hier eine Schmerzminderung aufgrund psychischer Faktoren nicht ausgeschlossen werden. Es gibt ansonsten keine ärztlich- wissenschaftlich plausible Erklärung für die Wirkungsweise der Methode.


Geistliche Beurteilung und Konsequenz für Christen

Die Lebensführung und Gedankenwelt A. Taylors Stills, auf den die Osteopathie ursächlich zurückgeht, sowie auch die J. Upledgers, des Begründers der Craniosakralen Therapie, war stark esoterisch geprägt. Deshalb können geistartige Wirkungen bei einer Therapieanwendung nicht ausgeschlossen werden, da Wurzel und Frucht einer Methode niemals zu trennen sind. Schlüsselbegriffe sind hier:Lebenskraft, kosmische Energie, das Unendliche. Wir Christen sollten deshalb keine solche Therapie an uns anwenden lassen. Falls dies aus Unwissenheit schon geschehen ist, sollte darüber Buße getan werden und eine entschiedene Abwendung von diesen Methoden erfolgen.


Lektorat: Prof. Dr. med. Manfred Weise


Weiterführende Literatur

  • Deutsche BUNDESÄRZTEKAMMER - Bekanntmachungen: Wissenschaftliche Bewertung osteopathischer Verfahren, Deutsches Ärzteblatt, 106/Heft 46,13.
  • November 2009 auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Forum zum Artikel: „Wissenschaftliche Bewertung osteopathischer Verfahren“, in: Osteopathische Medizin Heft 1/2010
  • Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch, Gutachten zur Fragestellung „Osteopathie und Evidenz“, www.bundesaerztekammer.de/downloads/StellOVLiteraturgutachtenResch.pdf
  • Andrew Taylor Still: Das große Still-Kompendium., Pähl, 2005
  • William Garner Sutherland: Das große Sutherland-Kompendium., Pähl, 2004
  • C. Trowbridge: Andrew Taylor Still 1828-1917‘, Pähl, 2005
  • N. Handoll: Die Anatomie der Potency‘, Pähl, 2004
  • J. Stark: Stills Faszienkonzepte‘, Pähl, 2007

Medienhinweis

 

CDK-Medien zu diesem Artikel

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Dieser Artikel stammt aus:

Osteopathie

Broschüre, DIN A5

16 Seiten

Medien-Nr.: H 129

 C. Müller 

 

 

 

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